Plakate und Online-Banner gegen Zwangsheirat

Im November 2014 hat Sabatina e.V. mit einer großflächigen Plakatkampagne auf Zwangsheiraten in Deutschland aufmerksam gemacht und die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert.

In Hamburg, Berlin, Mannheim, München und Stuttgart wurden drei verschiedene Plakatmotive in collagenhaftem Stil in Bahnhöfen, S-Bahn-Stationen und an Verkehrsknotenpunkten gezeigt. Durch Schaltung von Online-Bannern auf mehreren Websites wurde die Kampagne zusätzlich unterstützt. Ziel war es, den Opferschutz in Deutschland zu optimieren und Helfer zu schulen, um den Umgang mit Betroffenen zu verbessern.

Die drei unterschiedlichen Motive der Plakatkampagne zeigten eine drastische Darstellung der vielen Facetten, die Betroffene von Zwangsheirat erleben. Ungeschönt sollten sie die Problematik und das Leben der Betroffenen abbilden, die hier in Deutschland von Zwangsehe bedroht sind oder bereits ohne ihre Einwilligung verheiratet wurden. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Zwangsheirat“ wollte der Verein aufzeigen, dass diese Menschenrechtsverletzung auch bei uns stattfindet. Sabatina James, Gründerin und erste Vorsitzende des Vereins Sabatina e.V., teilt das Schicksal dieser jungen Frauen und setzt sich bereits seit Jahren für den Opferschutz und die Unterstützung der hilfebedürftigen Frauen ein: „Ich habe mich entschieden, diese Kampagne zu starten, weil ich selber Betroffene bin. Das hat großes Leid in mein Leben gebracht, ein Leid, vor dem ich andere Frauen bewahren möchte.“

Laut Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2011 zum Thema Zwangsverheiratung in Deutschland, sind 94 Prozent der Betroffenen junge Mädchen die zum größten Teil (knapp 60 Prozent) aus religiösen Migrantenfamilien stammen. Eine Zwangsehe wird geschlossen, wenn Mädchen oder junge Frauen ohne ihre Einwilligung oder durch Druck und Missbrauch zur Ehe gezwungen werden. Oft sehen sie keinen anderen Ausweg als Flucht, Selbstmord oder Gehorsam, der in katastrophalen Folgen endet: Häusliche Gewalt, Ehrenmord, Kindesentführung, Isolation und das Auseinanderbrechen von Familien. Die Plakatkampagne sollte mit den auffälligen Motiven auf das Schicksal der vielen Betroffenen aufmerksam machen, ihnen aufzeigen, dass es für sie Hilfe gibt und eine Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema erwirken.

Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz griffen die Thematik auf, berichteten über die Kampagne und interviewten Sabatina James über ihre Beweggründe, das Thema Zwangsheirat so breit an die Öffentlichkeit zu bringen.

Dem Deutschlandfunk sagte sie: „Ich hab’s an meinem eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, gegen den Willen verheiratet zu werden, eine Todesdrohung ausgesprochen zu bekommen über sein Leben, dann im Opferschutz zu leben und keine Familie mehr zu haben. Alles Konsequenzen der Entscheidung für die Freiheit. Und deswegen sage ich: Ich werde auftreten, egal, was es mich kostet. Und wenn es mich mein Leben kostet, dann kostet es mich mein Leben.“