Sie stehen beruflich in Kontakt mit Frauen, die von Zwangsheirat und
Ehrgewalt bedroht oder betroffen sind?

Sie möchten Material auslegen und auf diese Weise Opfer erreichen?

Dann können Sie unseren Flyer für betroffene Frauen kostenlos anfordern!
Senden Sie eine E-Mail mit Ihrer Adresse an: oeffentlichkeitsarbeit@sabatina-ev.de

Flyer herunterladen (PDF)


 

Einzelfallhilfe

Wenn Frauen in Krisensituationen sich Hilfe suchend an Sabatina e.V. wenden, gehen die Mitarbeiter sensibel und weise vor. Wichtig ist es, jede Betroffene ernst zu nehmen. Sabatina e.V. weiß: Es darf nicht verharmlost werden, dass es in diesen Situation nicht selten um Leben und Tod geht. Die erste Hürde ist bei Kontaktaufnahme genommen. Dann gilt es, die Angst zu überwinden und Möglichkeiten und Auswege aus der Unterdrückung vor Augen zu führen. Schlimmste Gewalt darf nicht als kulturelle Eigenheit hingenommen werden.

Die Hilfsangebote von Sabatina e.V. im Überblick:

  • psychologische und seelsorgerliche Erstbetreuung
  • Ratgeber und Hilfestellung per Telefon oder auch in persönlichen Gesprächen an sicheren Orten
  • Vermittlung an: 24 Stunden Notruf-Zentrale, vorübergehende wie auch dauerhafte Unterkunft in Schutzeinrichtungen
  • Finanzielle Unterstützung bei Unterkunft, Verpflegung, in Einzelfällen auch Anwaltskosten
  • Hilfe bei der Vermittlung von Jobmöglichkeiten und Behördengängen
  • Coaching bei der Weiterentwicklung der Persönlichkeit

nach oben ↑

Zwangsverheiratung

Weltweit sind Millionen Frauen von Zwangsverheiratung betroffen. Auch hierzulande werden täglich junge Mädchen und Frauen durch Ausübung oder durch Androhung von Gewalt zur Ehe gezwungen. Mit der steigenden Anzahl an Migranten ist die Zwangsverheiratung auch in Deutschland, insbesondere im Zusammenhang mit der Häufung so genannter Ehrenmorde, seit einigen Jahren Gegenstand einer breiten öffentlichen und politischen Diskussion.

Obwohl die Zwangsverheiratung eine eklatante Menschenrechtsverletzung darstellt, gab es in Deutschland für die Zwangsverheiratung lange Zeit keinen eigenen Straftatbestand. Inzwischen hat sich die Rechtslage für die Betroffenen etwas verbessert. Seit 2005 war die Zwangsverheiratung zunächst als ein besonders schwerer Fall der Nötigung strafbar. Seit 2011 sind Zwangsverheiratungen in einem eigenen Straftatbestand unter Strafe gestellt. Darüber hinaus kam es zu einigen aufenthalts- und asylrechtlicher Änderungen. Ferner wurden Maßnahmen zur Bekämpfung von Zwangsverheiratungen Bestandteil des Nationalen Integrationsplans und des Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Zur Verbreitung der Zwangsverheiratung in Deutschland existieren diverse Schätzungen. Nach einer neueren, im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) durchgeführten Studie[1], die das Phänomen der Zwangsverheiratung erstmals bundesweit untersuchte, haben im Jahr 2008 insgesamt 3443 Personen Beratungsstellen aufgesucht, weil sie zwangsverheiratet wurden oder von einer Zwangsverheiratung bedroht waren. Die Dunkelziffer liegt vermutlich wesentlich höher, denn für die häufig in Abhängigkeit gehaltenen Mädchen und Frauen ist die Familie oft der einzige soziale Bezugsrahmen und sie schaffen es aufgrund der starken Bindung an die Familie häufig nicht, entsprechende Beratungs- und Hilfsangebote anzunehmen.

Definition von Zwangsverheiratung
Es existiert keine eindeutige Definition von Zwangsverheiratung, zumal die Abgrenzung der Zwangsverheiratung zu anderen Formen, wie etwa der arrangierten Ehe, fließend ist. Gemäß der eingangs erwähnten Studie liegt eine Zwangsverheiratung dann vor, „wenn mindestens einer der Eheleute durch die Ausübung von Gewalt oder durch die Drohung mit einem empfindlichen Übel zum Eingehen einer formellen oder informellen – also durch eine religiöse oder soziale Zeremonie geschlossenen – Ehe gezwungen wird und mit seiner Weigerung kein Gehör findet oder es nicht wagt, sich zu widersetzen.“ Im Hinblick auf den Zeitpunkt der Eheschließung wird ferner zwischen angedrohter und bereits erfolgter Zwangsverheiratung unterschieden.
Demgegenüber ist von einer sog. arrangierten Ehe die Rede, wenn die Heirat zwar von Verwandten, Bekannten oder von Ehevermittlern bzw. –vermittlerinnen initiiert, aber im vollen Einverständnis der Eheleute geschlossen wird. Die Abgrenzung zur Zwangsverheiratung ist fließend und in der Praxis häufig nicht eindeutig, da die Weigerung der Einwilligung in die Heirat nicht selten den Gesichtsverlust vor der Gemeinschaft bedeutet.

Eine Zwangsehe liegt im Gegensatz zur Zwangsverheiratung dann vor, wenn sich Personen aufgrund von Sanktionen insbesondere aus ihrem familiären Umfeld dazu gezwungen sehen, eine bereits geschlossene Ehe gegen den eigenen Willen aufrecht zu erhalten.

Alter, Geschlecht und Herkunft der Opfer von Zwangsverheiratung
Fast ein Drittel der Betroffenen in Deutschland ist 17 Jahre oder jünger, rund 40 Prozent sind zwischen 18 und 21 Jahren alt. Von Zwangsverheiratungen sind in erster Linie Mädchen und Frauen bedroht. Rund sechs Prozent der Betroffenen sind Männer. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass diese sich aufgrund der traditionellen Männerrolle häufig nicht als Opfer sehen und deshalb seltener Beratungseinrichtungen aufsuchen oder aber möglicherweise für diese keine entsprechenden Beratungsstrukturen zur Verfügung stehen. Es ist jedoch auch hier von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen.

Rund 83 Prozent der Opfer von Zwangsverheiratung stammen aus muslimischen Elternhäusern. Die zweithäufigste Religionsgruppe stellt das Jesidentum dar. Häufigstes Herkunftsland der Eltern ist die Türkei mit 44 Prozent, gefolgt von Serbien (inkl. Kosovo und Montenegro), Irak und Afghanistan mit jeweils rund sechs bis neun Prozent. Beinahe die Hälfte der Betroffenen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit, rund ein Drittel ist in Deutschland geboren.

Dramatische Folgen für die Betroffenen
Die Zwangsverheiratung hat in den meisten Fällen schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Viele Opfer sind erheblicher psychischer Gewalt in Form von Beschimpfungen, Erniedrigungen, Drohungen und Erpressung seitens der Familie ausgesetzt und mehr als die Hälfte auch physischer, zum Teil auch sexueller Gewalt. Knapp ein Drittel wird mit Waffen oder sogar mit dem Tod bedroht. Die Betroffenen leiden häufig unter erheblicher Angst und an Depressionen. Darüber hinaus riskieren sie die Isolierung von Familie und Freunden. Die Opfer sind ferner zu knapp 70 Prozent von einem Schul- oder Ausbildungsabbruch betroffen. Zwangsverheiratungen bedeuten darüber hinaus oftmals auch einen unfreiwilligen Umzug ins Ausland.

Motive und Ursachen
Die Motive und Ursachen für eine Zwangsverheiratung sind vielfältig. Hauptmotiv ist das Ansehen der Familie und die Angst vor einem möglichem „Ehrverlust“. Die Jungfräulichkeit vor der Ehe wird als so hoher Wert angesehen, dass die jungen Mädchen möglichst früh verheiratet werden, um diese zu gewährleisten. In einigen Fällen ist die Heirat zugleich Disziplinierungsmaßnahme zur Reglementierung der sexuellen Orientierung. Weitere häufige Motive sind die Erlangung eines Aufenthaltstitels in Deutschland für den nachziehenden Ehepartner sowie nicht selten ökonomische Vorteile.

nach oben ↑

Gelungene Hilfe

Filiz*

Filiz kommt aus einer türkischen Familie; sie hat 9 Geschwister. In der Schule war aufgefallen, dass ihr Körper mit blauen Flecken übersät war und sie Narben an beiden Armen hatte. Sie war mit einem Mann verlobt worden, den sie ablehnte. Die älteren Geschwister schlugen und beschimpften sie als Schlampe, nahmen ihr das Handy weg, zwangen sie, wochenlang dieselbe Kleidung zu tragen und schnitten ihren langen Zopf ab, weil sie sich angeblich für zu hübsch halte. Als Filiz die Heirat weiterhin ablehnte, drohte die Mutter ihr, zusätzlich zu allen Schikanen, auch noch mit Selbstmord. Der Hochzeitstermin wurde von der Familie festgelegt: Vier Monate nach ihrem Realschulabschluss sollte sie heiraten. Sabatina James riet Filiz, von der Schule aus zu flüchten. Nach einigen Tagen Bedenkzeit stimmte Filiz zu. In Kooperation mit dem Direktor und der Sozialarbeiterin der Schule brachten Sabatina James und eine Mitarbeiterin Filiz in eine Pflegefamilie. Diese kümmerte sich um die völlig aufgelöste junge Frau, besorgte in den ersten Tagen Hygieneartikel und alles, was sie sonst zum Leben brauchte. Filiz erhielt einen neuen Namen und konnte eine Schule besuchen, um sich auf das Fachabitur vorzubereiten. Sabatina half Filiz mit Hilfe des Weißen Ringes die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben. Filiz ist dankbar, dass Sabatina James und ihr Verein sie vor der drohenden Zwangsheirat gerettet haben.


Parwana*

Parwana wandte sich Ende 2010 mit einer Email erstmals an uns. Fünf Jahre zuvor – sie war damals 19 – war sie aus ihrem Elternhaus geflohen, da ihr eine Zwangsheirat drohte. Ihr Vater hatte die widerstrebende Tochter körperlich misshandelt und ihr für den Fall einer Flucht mit Mord gedroht. Nach der Flucht hatte Parwana immer wieder den Wohnort wechseln müssen, weil es dem Vater mehrfach gelungen war, sie ausfindig zu machen. Zu der Zeit machte Parwana eine Ausbildung, die frühestens nach einem halben Jahr beendet sein würde. Sie war gezwungen, sich eine eigene Wohnung zu mieten und bat Sabatina e.V. um Geld für eine Kaution, ohne die sie keine Wohnung bekommen würde. Nachdem sie eine preisgünstige Wohnung gefunden hatte, überwies der Verein ihr 500 Euro, was ihr ermöglichte, die Kaution zu bezahlen. Das nächste Problem tauchte für sie auf, als sie im Frühjahr 2011 einen Brief vom Amtsgericht erhielt, in dem sie aufgefordert wurde, in Bezug auf Erbschaftsangelegenheiten eine Unterschrift zu leisten. Sie hatte Angst, dass ihre Daten zu ihrem Vater gelangen könnten, da sie nicht nur in Bezug auf die Weitergabesperre misstrauisch war, sondern auch wusste, dass eine Angestellte der Stadt bekanntschaftliche Beziehungen zu ihrem Vater pflegte. Unsere Mitarbeiterin beriet und unterstützte Parwana, so dass diese den Erbschaftsausschlagungstermin wahrnehmen und auch sicher sein konnte, dass ihre Daten nicht an den Vater weitergegeben würden. Sabatina e.V. begleitete Parwana auch weiterhin, nachdem sie ihre Ausbildung beendet hatte und eine neue Stelle antrat. Endlich konnte sie auch eine Traumatherapie beginnen, um die bedrängenden Probleme der Vergangenheit aufzuarbeiten.


Shakila*

Shakila aus Herat/Afghanistan hatte mit ihren beiden Söhnen (16 und 17 Jahre alt) in Deutschland gelebt. Die Familie kehrte nach Afghanistan zurück. Dort erfuhr Shakila durch ihren Ehemann schwere und zum Teil lebensbedrohliche Gewalt. Deshalb floh sie zu einer Hilfsorganisation, die mit uns freundschaftlich verbunden ist. Diese half ihr und ihren beiden Söhnen, nach Deutschland zurückzukehren und bat uns, die weitere Betreuung zu übernehmen. Sabatina e.V. bezahlte die Zugtickets für Shakila und ihre Söhne und brachte sie in eine sichere Zuflucht. Durch intensive Begleitung durch eine unserer Mitarbeiterinnen konnte sie in ihrem Wunsch nach einem selbständigen Leben unterstützt und bestärkt werden. Sie entschied sich schließlich, zu einer Freundin zu ziehen, um von dort ein eigenes Leben aufzubauen. Ganz wichtig war ihr die zeitnahe Anmeldung ihrer Söhne an einer Schule, damit diese keine Zeit in ihrer Schullaufbahn verlören. Sie selbst möchte gern eine Ausbildung machen und arbeiten.

* Namen zum Schutz der Betroffenen geändert

nach oben ↑

 

Zuflucht

Seit etwa einem Jahr gibt es für verfolgte und von Zwangsheirat bedrohte Mädchen und Frauen die „Zuflucht“ von Sabatina e.V. Dort finden junge Frauen, die vor ihre Familie fliehen müssen, Schutz und Hilfe. Zeitnah und unbürokratisch kann an diesem Ort die Gefahr für Leib, Leben und Gesundheit der Mädchen und Frauen abgewendet werden. Die aktuelle Situation der Schutzsuchenden wird angesehen, und es werden Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben entwickelt.

Zwei Plätze stehen zurzeit an einem Ort zur Verfügung, an dem konstante persönliche Betreuung und Aufarbeitung der erfahrenen Gewalt gewährleistet werden. Darüber hinaus bietet die Zuflucht einen gemeinschaftlichen Rahmen, in dem Frauen auf ihrem Weg in ein Leben in unserer Gesellschaft unterstützt werden. Die Zahl der angebotenen Plätze soll in Zukunft erweitert werden.

 

Stimmen von Frauen, denen wir helfen konnten

Yalda*

„Ich bin beruhigt zu wissen, dass es Menschen gibt, die mich verstehen, meine Lage verstehen und sich einfach Zeit für mich nehmen und sich Sorgen machen und Sicherheit für mich wollen. Ich bin froh, dass es Euch gibt, weil ich weiß, wenn wieder irgendwas passieren sollte, dass Ihr mir helfen werdet bzw. ich mich an euch wenden kann, weil Ihr die Einzigen seid, denen man dann noch vertrauen kann und auch sollte. Danke!“

Saima*

„Hey Sabatina, ich möchte Dir für Deine Hilfe danken und auch für die Spender, die mich unterstützen und mir somit ermöglichen, dass alle anfallenden Kosten bezahlt werden können und ich sogar Taschengeld für mich hab. Ich bin echt glücklich darüber, dass ich Dich und den Verein an meiner Seite hab.“

Mariam*

Vor mehr als sieben Monaten hatte ich nur meine Freiheit vor Augen, aber an die Konsequenzen hatte ich nicht gedacht. Als mich meine Realität eingeholt hatte, wusste ich mir nicht zu helfen, hatte keine Anlaufstelle, um zu reden, kein freies Ohr für mich. Ich habe Hilfe gebraucht. Durch Sabatina, die mir durch Gott geschickt wurde, habe ich sie bekommen. Sie gab mir die Hoffnung und die Kraft wieder, an mich zu glauben. Dank ihr und ihrem Team geht es voran. Ich werde in jeder Hinsicht unterstützt und habe jemanden, der 24 Stunden für mich da ist.

* Namen zum Schutz der Betroffenen geändert

spenden-button